Eine Frage, die oft gestellt wird: Warum hat die Figur kein Gesicht?

Wir Menschen schauen gerne in Gesichter, vor allem in die Augen. Wie stört es, wenn jemand die Sonnenbrille auflässt und wir dieser Person nicht in die Augen sehen können. Augen, in die wir schauen können, ermöglichen darin zu "lesen", ein offener Blick erweckt Freundlichkeit, ja Vertrauen. Die Augen erzählen uns von den Menschen, ja man sagt, sie sind der Spiegel der Seele des Menschen.

Dies bestätigt die häufig gestellte Frage:
Warum haben diese Figuren keine Augen, Nase und Mund?
Warum wird kein konkretes Gesicht dargestellt?
Manche äußern, dass ihnen die Gesichtslosigkeit gar nicht gefällt.

Sicher ist ein Argument, dass es eine große Kunst wäre, diesen Figuren ein schönes Gesicht zu machen. Ein weiteres Argument ist auch, dass  ein festgelegter Gesichtsausdruck nicht zu jeder  „gebrauchten“ Stimmung passen würde. Aber viele haben erlebt, dass es  in der Kinderzeit kein Problem war, mit lachenden Gesichtern, was die meisten Puppen haben, auch Traurigkeit zu spielen.

hirte sein

Für mich birgt diese „Gesichtslosigkeit“ eine besondere Chance.

Ein Gesicht hält fest, hält uns fest.  Geschichten versucht man mit bestimmten Gesichtern zu verbinden.
Wer war das? Kenne ich den? Habe ich dafür ein Gesicht?
 
Durch das fehlende Gesicht, besteht eine gewisse Offenheit, denn ohne Gesicht wird die Erzählung an kein Gesicht gebunden. Dies wurde mir besonders bewusst, als rekonstruierte Versuche „eines Gesichtes Jesu“ veröffentlicht wurden. Mir stellte sich sofort die Frage: „Würde ich diesem abgebildeten Jesus vertrauen und nachfolgen?“ Ich kam zu der Feststellung: „Ich bin froh, dass es kein Foto Jesu gibt, das uns Jesus zeigt, wie er ‚wirklich’  war. So ist mir die Möglichkeit gegeben, mir ‚meinen Jesus’  vorzustellen“.
 

Dies bietet auch die Gesichtslosigkeit der Figur:
Mit den Figuren wollen wir einerseits die Menschen mitnehmen in eine Geschichte eines Menschen oder eines Volkes, andererseits wollen wir die Möglichkeit geben, dabei  seine eigene Geschichten zu entdecken.

Außerdem führt uns die Gesichtslosigkeit der Figur zu einer Sprache, die uns alltäglich  begleitet, der wir aber wenig Aufmerksamkeit schenken und die uns kaum bewusst ist: die nonverbale Kommunikation - die Körpersprache. Ohne Gesichter bei den Figuren müssen wir mehr auf diese Sprache achten. So können wir mit Hilfe der Figur auch eine Konzentration auf die Körpersprache bewirken, ja ein sehr wichtiges Lernfeld anbieten, denn
ohne Beachtung dieser Sprache gelingt menschliches Zusammenleben nicht.

Ohne Gesichter achten wir mehr auf die nonverbale Sprache – den Körperausdruck.